Hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben

Hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben
Hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben
 
Mit diesen Worten kann jemand kundtun, dass er gewisse Ansprüche hat, sich für Dinge, die vermeintlich unter seinem Niveau liegen, zu schade ist o. Ä. Sicher geschieht dies meist in scherzhaft-ironischer Weise mit einer Art gespielter Überheblichkeit. Das Zitat stammt aus Schillers Schauspiel »Die Räuber« (V, 1). Die Worte haben dort allerdings eine andere Funktion. Sie kennzeichnen den verzweiflungsvoll-verwirrten Zustand des in Gewissensangst geratenen Schurken Franz Moor, der, im Grunde Gott und sein Gewissen leugnend, angesichts der herandringenden Todesgefahr sich im Gebet versucht, was ihm allerdings in grotesk-blasphemischer Weise misslingt. Die Stelle, ein Teil des Gebetes, lautet: »Ich bin kein gemeiner Mörder gewesen, mein Herrgott - hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben, mein Herrgott -«.

Universal-Lexikon. 2012.


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